Über mich

Ich heiße Lukas Stahl und bis vor kurzem lebte ich noch in Kassel, eine Kleinstadt im Zentrum Deutschlands (zumindest im Vergleich zu Buenos Aires oder Santiago). Für die Zeit der Reise ist meine Heimat die Straße der mir noch unbekannten Welt Lateinamerikas.

Nach etlichen Jahren der Schule und zwei Jahren Arbeit in einem Restaurant, wo ich den Beruf des Kochs erlernt habe, drängt es mich, etwas völlig Anderes zu machen. Etwas, was weder Schule oder Arbeit noch die Art, in dem europäischen System zu Leben, ist. Für mein Unterbewusstsein hieß dies schon lange vor meiner Entscheidung: weit weg gehen und erfahren, was auf einem anderen Kontinent mit einer anderen Kultur vor sich geht. Im Anschluss an diese Reise, wenn ich zuück bin und einen Teil der Welt erfahren habe, will ich Studieren, was die Welt zusammenhält, um sie zu verstehen. Welcher Studiengang dies sein könnte weiß ich noch nicht, hoffentlich finde ich das aber noch heraus.

Südamerika – muss es wirklich so weit weg sein? Nein, nicht umbedingt, aber einige Umstände machen es zum einem bevorzugten Ziel. Wesentlich dabei die Sprache. Spanisch ist nicht besonders kompliziert, gerade wenn man auf fünf – wenn auch keine leichten – Jahre Französisch als Schulunterricht aufbauen kann. Spanisch wird in Lateinamerika von sehr vielen Menschen gesprochen, selbst den hoch gelegenen Andendörfern trifft man sicher auf Menschen, die nicht nur ihre indigene Sprache sprechen. Hingegen kann es schwierig sein, auf dem Land Übersetzer für Englisch zu finden, gerade in den kleinen Ortschaften. Zweifelsohne sind grundlegende Spanischkenntnisse von herausragendem Vorteil für die Verständigung und darüber hinaus für das Erlebnis südamerikanischer Gastfreundschaft. Es ist nicht zu bestreiten, dass jemand anders wahr- und aufgenommen wird, wenn sich wenigstens bemüht wird, in ihrer Sprache zu komunizieren. Und trotz der romanischen Sprache und europäischen Kolonialisierung und Einwanderung ist die Kultur eine Andere als in der alten Welt auf der Nordhalbkugel. Zwei Jahre Sommer könnte auch die Überschrift heißen – dem Winter geschickt entkommen, einfach immer dem Sommer hinterherfahren. Gerade auf dem Fahrrad eine unglaubliche Erleichterung, nicht Schnee und Kälte ausgesetzt zu sein.

Warum eigentlich mit dem Rad? Langsamer vorankommen und gleichzeitig mehr sehen, so lautet die verkürzte Formel für mein bevorzugtes Reisemittel, welches zudem die effizienteste Fortbewegungsart ist, die es bisher gab und vermutlich je geben wird. Es ist ausreichend schnell, um längere Distanzen mit der eigenen Muskelkraft zurückzulegen aber nicht zu schnell, als dass einem die Umgebung, der Weg, die Gerüche, das Wetter, … fast alles entgehen würde. Und wenn man nicht gerade auf der viel beradelten Carretera Austral im Süden Chiles unterwegs ist hat man sich die Blicke und Interessen der Einwohner gesichert und kommt unglaublich schnell ins Gespräch.

Und wozu dieser Blog hier? Nach Matthias Debureax ist ein Blog wie ein Diaabend, »bloß sechs Monate länger«. Befolge ich tatsächlich seinen folgenden Ratschlag?

Wenn Sie vor Ort sind, bloggen, mikro bloggen, maxibloggen Sie … Der digitale Nomade zelebriert seine Eindrücke lange vor der Rückkehr, und zwar in Echtzeit. Das wird Sie am meisten auf Trab halten. Tragen Sie also immer einen Ersatzakku für Ihr Handy bei sich und entfernen Sie sich niemals länger als 24 Stunden aus der Reichweite eines WLAN-Netzwerks. […] Ihr Blog – beziehungsweise Logbuch – das Flaggschiff Ihrer Odyssee.

Jein lautet meine beschämende Antwort aber finde es doch selbst heraus. Und sollte dich das alles hier langweilen kannst du selbstverständlich von deinen Rechten als LeserIn gebrauch machen.

Literatur

Debureaux, Matthias: Die Kunst, andere mit seinen Reiseberichten zu langweilen. Carl Hanser Verlag München, 2017

Ein herrlich (ironisches?) Buch. Pflichtlektüre für alle Reisenden, die beabsichtigen, ihren Mitmenschen davon zu berichten.

Pennac, Daniel: Wie ein Roman. Köln, 2004 Titel der Originalausgabe: Comme un roman, Edition Gallimard, 1992

Zitat
»1. Das Recht, nicht zu lesen
2. Das Recht, Seiten zu überspringen
3. Das Recht, ein Buch nicht zu Ende zu lesen
4. Das Recht, noch einmal zu lesen
5. Das Recht, irgendwas zu lesen
6. Das Recht auf Bovarysmus, d.h. den Roman als Leben zu sehen
7. Das Recht, überall zu lesen
8. Das Recht, herumzuschmökern
9. Das Recht, laut zu lesen
10. Das Recht, zu schweigen«
(S. 9, Inhaltsverzeichnis, ohne Seitenzahlen)
Man kann noch hinzufügen:
11. Das Recht, nur die Bilder zu betrachten.