Rauf und runter

Das war zwar sehr entspannt, so flach, zusammen mit Kate, aber insgesamt radtechnisch nicht sehr anspruchsvoll und von diesem Gesichtspunkt eher langweilig, da eintönig. Wie gut, dass auch Bolivien mit ordentlich Bergen aufwartet.

Die Entscheidung ist also gefallen, beim morgendlichen Frühstück im Hostal, zugunsten der nicht direkten Route nach La Paz, über Cochabamba und Coroico. Gleich am ersten Tag gehts mit der Steigung los, bevor es dann endlich nach Cochabamba abfällt. Die nicht asphaltierte Nebenroute mit ordentlich Steigungen hält mich einige Tage auf, nicht der Umweg, den ich unabsichtlich nehme, als ich mich das erste Mal in meiner Reise verfahre. Fast eine Stunde quäle ich mich den Berg auf einer zugegebenermaßen perfekt asphaltierten Straße hoch, in der festen Überzeugung, auf dem richtigen Weg zu sein. Schließlich sah es alles so nach Hauptstraße aus, wer hätte schon ahnen können, dass der kleine, nicht beschilderte Abzweig auf einen kleinen Schotterweg die Hauptverbindung ist? Also alles wieder runter, läuft gut, war ziemlich steil. Den verbleibenden Tag komme ich dann nicht mehr allzu weit, halte Ausschau nach einem Platz für die Nacht und werde schnell, in einem kleinen, augenscheinlich nur von Lamas bewohnten Dorf mit drei Häusern, fündig. Ein altes leeres Schulgebäude scheint perfekt, bei einer Höhe von über 4000 Metern wollte ich nicht im Zelt schlafen. Nach etwa 10 Minuten warten kommt ein älterer Herr und fragt mich, was ich machen würde. Also erzähle ich woher ich so komme und frage, ob ich wohl den leeren Raum für die Nacht okkupieren könne. Damit hatte ich bisher noch nie ein Problem, doch der Mann versteht nicht. Es liegt nicht an meinem Spanisch, er versteht einfach nicht, wer ich bin, was ich mache. Dass ich einfach nur so, quasi zum Spaß mit dem Rad durch die Gegend fahre. Ich zeige ihm meinen Reisepass mit bolivianischem Visastempel, das hochoffizielle Dokument scheint etwas zu wirken, er würde Rücksprache halten und mich informieren. Es beginnt dunkel zu werden, sodass ich beginne, mich einzurichten. Da kommt er zurück, es sei kein Problem. Den Abend lässt er mich in Ruhe, aber schon am nächsten Morgen, kurz nachdem ich aufgestanden bin, bekomme ich Besuch, gerade beim Frühstücken. Der Señor von gestern zieht sich nochmal kurz zurück um mir dann mit voller Wucht auf die Nerven zu gehen. Ungelogen wie ein kleines Kind schaut und fasst er alles an und will wissen, wie das alles funktioniert. sagt ständig »¡qué raro!« – wie merkwürdig, sagt ansonsten kein Wort, ich spiele mit und bin ebenfalls still. Er beobachtet mich dann, wie ich meine Sachen zusammenräume, mir meine Zähne putze. Nur als ich schließlich damit beginne, mich ohne Vorwarnung umzuziehen, begreift er und lässt mich alleine – für zwei Minuten. Dann geht es schnell »du musst jetzt verschwinden, sonst kriegst du Ärger!« ¡Qué raro!

Es folgt etwas hoch-runter auf durchwachsenem Schotter bis zum Dorf Bolívar, wo ich Brot und Kekse auffüllen muss. Kekse sind schnell zu finden, Brot ist schwieriger. Letztendlich lande ich bei einem Verkaufsstand für Empanadas con Queso, ein passabler Brotersatz, da weniger Em- und mehr pan. Dort kann ich noch Wasser tanken und werde noch auf eine Suppe eingeladen. Außerdem über die folgende Route aufgeklärt. Bis zum nächsten Dorf, ab dem eine heftige Steigung beginnt, soll es nur noch bergab gehen, davor leicht bergauf, aber nicht viel. Diese Art Aussagen werden mir noch häufiger begegnen. Es geht dann auch wie angekündigt ordentlich bergab. Ich finde am Fluss ein kleines Plätzchen und freue mich schon auf den nächsten Tag, schließlich soll es ja jetzt erst mal weiter runter gehen. Später am Abend schaut dann noch ein verwunderter Anwohner vorbei, dem ich erkläre, dass ich kein Ingenieur der Straßenbauer bin sondern Tourist aus Europa, auch wenn ich mit dieser Zuweisung nicht ganz einverstanden bin (M. Debureaux).

Bevor es dann aber am nächsten Tag wirklich runter geht gibts einen ordentlichen Anstieg – wer hätte das gedacht. Es geht schließlich etwas hoch, runter, um dann wieder ganz nach oben zu gehen, bevor es wieder abfällt. Der Vorgeschmack auf die nächsten zwei Wochen, was ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wusste oder erfolgreich verdrängt hatte. Nach diesem dritten Tag bin ich dann auch schon auf der Hauptstraße von Oruro nach Cochabamba. Ich bereue nicht, diese nicht von Anfang an genommen zu haben sondern auf einer Nebenstraße gefahren zu sein, sehr viel Verkehr, dafür aber gut asphaltiert. Entgegen aller Kommentare über Steigungen, die ich gehört habe, geht es zu Beginn noch einmal hoch, bevor ich eine knapp 2000-Meter-Abfahrt genieße, bei der ich mir ein Rennen mit den langsameren Lkw liefere. Eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen ich mir einen noch größeren 15. Gang wünsche.

Unten auf nur noch etwa 2600 Metern ist die Luft entgegen meiner Erwartung nicht spürbar besser. Ich dachte, die Wochen auf über 3500 Metern hätten einen Anpassungseffekt gehabt. Jedoch liegt Cochabamba ungünstig in einem Talkessel, wo die ganzen Abgase des Stadtverkehrs nicht abziehen können. Von oben sei diese Smogglocke zu sehen, sagen mir meine Couchsurfing-Gastgeberinnen. So etwas wie WG-Leben ist genau das, was ich jetzt brauche. Angélica und die zwei deutschen Volontärinnen nehmen mich herzlich in ihrem Appartement im Zentrum der Stadt auf und ich genieße die erste heiße Dusche seit Wochen. Sie kochen sehr leidenschaftlich und außerdem gibt es dank des europäischen Einflusses eine Mokkakanne für den Herd, richtiger Kaffee seit langem. Zum Wiedereingewöhnen – es ist die letzte Woche der Deutschen- koche ich Käsespätzle mit dem Käse, der vom Raclette mit den Vermietern am Vorabend übrig geblieben ist, zu welchem ich eine Zabaglione mit flambierter Ananas als Dessert aufgeschlagen hatte. Dann nur noch etwas physische Vorbereitung für die kommende Etappe in Form von Gemüse und Obst sowie die mentale Stärkung. Die nächsten Tage werde ich in etwa 500 Kilometern mit 16 Höhenkilometern beschäftigt sein. Das viele rauf und runter versuche ich nicht weiter zu wiederholen, mir gehen bereits die Synonyme aus. Nur noch so viel: im gesamten Abschnitt gab es keinen einzigen Teil, der flach war. Nach einem Anstieg mit selten weniger als 1000 Metern und der dazugehörigen Abfahrt ging es oft durch einen Fluss. Die ersten Tage habe ich zum eingewöhnen meist nur einen Berg bezwungen und nachts unten am Fluss im Tal gezeltet. Schnell vorangekommen bin ich so zwar nicht, unter 40 Kilometer pro Tag, dafür hab ich meine Sehnen und Gelenke geschont, die ich ja schon einmal überbelastet hatte. Das brauche ich wirklich kein zweites Mal. Und so ging das dann die nächsten Tage auf der alten Hauptroute, wo heutzutage kaum noch Verkehr ist und ich als Gringo entsprechend auffalle. »¡Mirá, un gringo!« sagen fast alle Kinder, wenn sie mich entdecken.

Die Straße ist in einem eher schlechten Zustand, auch wenn ich schon Schlimmeres gefahren bin. Die ersten Kilometer der sehr holprigen Kieselsteinstraße sind jedenfalls weit oben im Negativranking. Es ist so grausam, dass ich auf den Trampelpfad an den Seiten ausweiche, der deutlich besser zu fahren ist. Als oben am Pass endlich das Schild kommt »fin pavimiento« bin ich überglücklich, der festgetretene Schotter ist eindeutig besser zu fahren. Trotzdem kommt es auch auf dieser Strecke vor, dass ich mir Platten fahre. Die ersten Tage noch ohne Probleme und auf die häufig gestellte Frage, ob die Räder das mitmachen stolz mit deren Unversehrtheit geprahlt, danach geht es aber los. Drei Platten an einem Tag, weil ich den ersten fälschlicherweise als Schlangenbiss eingestuft hatte. Was soll das auch anderes sein auf den schlaglochübersäten Abfahrten. Der dritte war dann aber wirklich ein klassischer Snakebite, weil ich volle Kanne über einen großen Stein gebrettert bin, den ich übersehen hatte. Mein Tagesziel hatte ich mir wegen des Zeit- und Motivationsverlustes eigentlich schon abgeschmiert, doch als ich gerade dabei bin, meinen Schlauch zu flicken, hält ein laut knatterndes Offroad-Quad an und nach kurzem Gespräch werde ich eingeladen, am Fluss gemeinsam mit der Gruppe zu campen. es überholen mich noch weitere Quads und Motorräder und nach erfolgreicher auf Video aufgezeichneter Flussdurchschwimmung – die Taschen waren dicht, die Rohloff ist nur sehr kurz eingetaucht, frage ich, wo denn das Camp genau sei. Nachdem sich kurz abgesprochen wurde heißt es, es sei auf dem Fußballplatz im nächsten Dorf, in zwei Kilometern. Ich wundere mich, dass dieses Dorf anscheinend nicht in meiner Karte eingezeichnet ist und das nächste in 10 Kilometern kommt, fahre aber trotzdem los, hilft ja nichts. Für die Steigung werde ich länger brauchen als die motorisierte Gruppe. In zwei Kilometern ist nichts und dann begreife ich, dass ich wohl noch ein gutes Stück weiterfahren müsse. Ich motiviere mich mit den letzten Keksen und der Vorstellung, oben bestimmt eine heiße Dusche zu bekommen sowie ein Asado zu verspeisen. Was sollen Männer alleine unter sich schließlich sonst anderes kochen? Als ich endlich ganz oben ankomme, alle haben mich überholt aber nur einer eine Tasche abgenommen, ist es etwa 20 Uhr und bereits gut dunkel. Ich bekomme anerkennende Blicke und Kommentare. Baue leicht erschöpft aber glücklich, es geschafft zu haben, mein Zelt auf, werde aber unterbrochen. Ich soll doch erstmal etwas essen und trinken. die Tamales sind sehr lecker, ich schaffe drei Stück und bin zufrieden. Mache das Zelt fertig, nehme eine kalte Wassersackdusche und joine die anderen. Der Koch ist gerade dabei, den Hauptgang zuzubereiten: Paella. Da müssen auch die Bolivianer schmunzeln, ein Land ohne Meer aber Paella zum Abendessen. Schon während des Kochens wurde ganz ordentlich Alkohol konsumiert, den mir angebotenen Whisky und Wodka habe ich aber dankend abgelehnt. Zum Essen holt jemand einen bolivianischen Rotwein raus, bei dem ich trotz des langen, heißen Fahrradtages nicht Nein sagen kann. Das Saufgelage verschiebt sich zum Lagerfeuer. Als Vorgeschmack auf den morgigen 6. August, Nationalfeiertag in Bolivien, kommt schon mal ein Umzug über den Platz gelaufen. Einige der Gruppe schließen sich diesem spontan an und kehren mit der riesigen Bolivienflagge zurück, welche es natürlich aufs Gruppenfoto schafft. Um etwa Ein Uhr gehe ich schließlich nach vielen interessanten Gesprächen ins Zelt, schlafen.

Um morgens um sechs Uhr von den Salutschüssen, es ist ja immerhin Nationalfeiertag, und das soll auch ja jeder mitkriegen, aus dem kurzen Schlaf gerissen zu werden. Die Frühstücksvorbereitungen laufen schon, Tortilla mit reichlich Gemüse und sehr lecker. Als dann alle beim Zusammenpacken sind holt der Mann mit Cowboyhut, der schon am Vorabend den Wein hervorgezaubert hatte, mit der Ankündigung, den müssten wir noch verkosten, einen Käse hervor. Meine Augen werden groß, sehr groß als ich diesen in mein Blickfeld bekomme. Ein richtig ordentlicher Käse mit goldbrauner Rinde, den muss ich nicht verkosten, um zu wissen, dass er mich geschmacklich umhauen wird. Und das war dann auch der Fall, das 18 Monate alte Stück hat mich umgeworfen, nicht nur aufgrund meiner langen Abstinenz. Immerhin war es das letzte Mal in Argentinien auf dem Biohof, dass ich einen vergleichbaren Käse gegessen habe. So oder so ähnlich hab ich ihm das dann auch vorgeschwärmt, so glücklich war ich schon lange nicht mehr. Er hat einen eigenen Hof, wo er den Käse produziert und ihn hat reifen lassen. Auf die vorsichtige Frage, ob er mir eventuell ein kleines Stückchen verkaufen würde, zögert er nicht lange und zückt das Messer, teilt den Käse durch zwei, packt das größere Stück ein und überreicht es mir. Sie bräuchten auch noch ein Bisschen, es würde ihn glücklich machen, mich glücklich zu machen, estoy feliz, Endorphinüberdosis. Dieser Zustand hält sogar noch ein paar Tage an. Nicht nur die kulinarischen Klimaxe, auch die nette Gesellschaft war eine dringend benötigte Abwechslung, die neben dem einsamen Radfahren eine bessere Verarbeitung der traurigen Nachrichten von zu Hause ermöglichten.

Es könnte an den Nachwirkungen des geschenkten Stückes Käse liegen oder der Neuigkeit, dass Kate in La Paz auf mich wartet, dass die Tagesetappen länger werden. Vielleicht kann ich mittlerweile auch einfach meine Fähigkeiten am Berg besser einschätzen. Schneller fahre ich nicht, aber länger. Auch mal in den Abend rein, wenn ich weiß, dass es eine Unterkunft gibt. Nicht Muskelerschöpfung ist die Folge sondern ein malträtierter Po. Der kleine Ruhetag in Coroico hilft aber zum Glück. Denn danach will ich die carretera de la Muerte hoch fahren. Touris fahren diese als Death Road in die entgegengesetzte Richtung. Dementsprechend fahre ich also den Lebensweg 4000 Meter bergauf. Im Touridorf Coroico finde ich alles, was für mein Vorhaben nötig ist. Kaltes Bier am Vorabend, eine für bolivianische Verhältnisse völllig überteuerte 50-Gramm-Tafel Toblerone. Für etwas weniger Geld hatte ich zuvor auf dem Markt ein Menü mit Suppe und frittierter Forelle gegessen. Ist aber egal, den Gipfel knack ich mir, wenn ich oben bin. Obwohl in Bolivien Kakao produziert wird, gibt es keine vernünftige Schokolade, schade.

Für die Death Road plane ich zwei Tage ein. Spätestens wenn einem die Autos auf der linken Spur fahrend entgegenkommen und sich beharrlich weigern, auszuweichen, weiß man, dass man auf der Death Road ist. Wohl die einzige Straße in Bolivien, wenn nicht gar in Südamerika, wo offiziell Linksverkehr gilt. So fahren die von unten kommenden schwer beladenen Lkw immer auf der Innenseite und die von La Paz kommenden Fahrer haben einen besseren Blick auf die Steilkante. Erst 2007 wrude die neue asphaltierte mehrspurige Straße gebaut, bis dahin war die einspurige Straße die Hauptverbindung zwischen der Metropole La Paz und Coroico bzw. dem Tiefland. Der Name kommt nicht von ungefähr. Schon den Bau in den 1930er Jahren haben viele paraguayische Zwangsarbeiter mit dem Leben bezahlt. An einigen Stellen geht es bis zu 800 Meter senkrecht abschüssig in die Tiefe, Leitplanken sind so gut wie nicht existent. Hinzu kommen die vielen uneinsehbaren Kurven, die Einspurigkeit sowie das hohe Nebelaufkommen in der Region, welche die etwa 60 Kilometer zur gefährlich, berüchtigten Route gemacht haben. Unzählige Menschen sind hier bei Verkehrsunfällen gestorben – die zahlreichen Kreuze am Wegesrand geben darüber Zeugnis. Oft konnten die Wracks aufgrund der schlechten Zugänglichkeit nicht einmal geborgen werden. Der schwerste Unfall ereignete sich 1983 als ein Personenbus in die Tiefe stürzte und alle 100 Passagiere starben.

Heute ist die Route Touriattraktion. Verübeln kann man das den abenteuerlustigen Besuchern nicht – großartige Landschaft und ihre Transformation von sehr karg und kalt bis Regenwald auf unter 1500 Metern. Und so kommen mir schon bald die ersten auf ihren vollgefederten MTBs entgegen. Ich auf meinem Stahlrad ohne Federung und außerdem mit viel Gepäck genieße das Runterbrettern auf schlechten Straßen wenig. Außerdem sehe ich viel mehr, wenn ich langsam hochfahre und nicht immer auf die Straße und das nächste Schlagloch achten muss. Unter den zahlreichen Kommentaren ist auch »Downhill is more fun!« wogegen ich mich natürlich wehre. Von anderen kommt so etwas wie »Oh my god!«, »You´re so brave, man!«, »Wo willst du denn hin?« (nach oben, wo denn sonst. Oder denkst du, ich mache das aus Versehen?). die Bolivianer feuern mich sichtlich erfreut einfach nur an: »Dale, hacia arriba!« Den Touris ist eher nicht bekannt, das Straßen generell in beide Richtungen gefahren werden können, dass hier außerdem noch Linksverkehr gilt ist ebensowenig zu allen vorgedrungen. Bei einer Pause treffe ich den Briten Neil, der schon eine Weltumradelung gemacht hat und mir das Casa de Ciclistas in La Paz von Cristian empfiehlt, bei dem ich mich bereits angekündigt hatte.

Am zweiten Tag Death Road wundere ich mich etwas, dass mir keine Downhiller entgegenkommen sondern nur mit Fahrrädern beladene Kleinbusse. Eigentlich kein Wunder, geht es zwischendrin noch mal etwa 500 Meter runter, bei mir. Ich komme schließlich zu der Stelle, wo die Räder aufgeladen werden und von da an bietet sich wieder ein ähnliches Spektakel wie am Vortag. Viele der Touris halten es aber nicht für nötig, zu grüßen und sind wahrscheinlich mehr mit sich selbst und ihrem Fahrrad beschäftigt. Ab 4000 Metern bekomme ich den gewohnten Höhenwind, natürlich von vorne. Mit Coca und Cola vollgedröhnt kämpfe ich mich die letzten Meter hoch und dort angekommen feiere ich den Sieg über den Pass mit Tee, Käse und Schokolade.

Im Casa de Ciclistas empfangen mich Maialen und Mikel, die zwei Basken, die ich in Patagonien kennen gelernt hatte. Wenige Tage zuvor kam eine Nachricht von den Beiden, dass sie sich dort befinden. Eine leichte Vorahnung hatte ich bereits, als in der Bestätigungsmail von Cristian die zwei bekannten Namen aufgetaucht waren. Und so findet eine lange, ereignisreiche Etappe ein würdiges Ende.

Addendum Eigentlich wollte ich das ganze hoch-runter-Gelabere ja etwas raushalten, aber folgende Story kann ich trotzdem nicht für mich behalten. Es ging mal wieder runter, auf der anderen Seite vom Tal konnte ich schon die Serpentinen sehen, die ich bald rauffahren würde, nicht sehr motivierend. So war ich überglücklich, scheinbar eine Alternative gefunden zu haben. Die Straße teilte sich, ein offensichtlich weniger befahrener Weg biegt links ab, in Richtung der Berge. Ich vermutete, dass es sich um eine Möglichkeit handele, ohne Höhenverlust auf die andere Seite zu gelangen. Ich ließ mich von dem Steinhaufen, der die Straße blockierte, nicht aufhalten und wurde überrascht, als ich schließlich bei der vermuteten Brücke ankam. Ein Erdrutsch hatte sie und einen Teil des Weges auf der anderen Seite fast unpässlich gemacht, fast. Ich überlegte kurz, montierte alle Taschen ab und kletterte in drei Etappen über den Schotter. Das ganze hat mich etwa eine Stunde gekostet, stellenweise hatte ich keinen Halt und den Abgrund unter mir, aber ich habe mir viele Serpentinen gespart.

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