Touriprogramm ToGo

Etwas vor meinem Zeitplan angekommen und somit eine gute Woche zu früh in Puerto Natales konnte ich eine halb-touristische Besichtigung des Torres del Paine Nationalpark machen.

Aus El Calafate bin ich dann erstmal  mit ordentlich Rückenwind nach Puerto Natales gestartet Habe am Berg, welchen ich vom Wind hochgepustet wurde, zwei Brasilianer überholt und bin ein kleines Stück der 60 Kilometer langen extremen Schotterpiste gefahren – die Alternative wäre ein doppelt so langer Schwenker mit Gegenwindgarantie auf der Hälfte der Strecke. Auf dieser kamen mir zwei Niederländer auf dem Weg nach Alaska entgegen, ebenso wie ich mit ordentlichen Satteltaschen ausgerüstet »Nice bags!« und zum Zustand des weiteren Straßenbelags gefragt: »It gets worse!«. Am nächsten Tag mich dann also weiter durchschütteln lassen, bis ich etwa zehn Kilometer vor absehbarem Ende aus einem mich überholendem Pickup meinen Namen hörte, ich zu meinem Befinden und der Straßenqualität befragt wurde. Schließlich, ob sie mich nicht bis Puerto Natales mitnehmen sollen. Also gut, etwas umgepackt und ein drittes Fahrrad samt Gepäck auf der Ladefläche verstaut. »Wenn wir jetzt noch einen weiteren Freund von euch mitnehmen wird es etwas eng!« kommentierte das chilenische Paar in Richtung der beiden anderen Fahrradfahrer, die sie ebenfalls mitgenommen hatten.

Also sind wir weitergedüst mit kleinem Stopp an der argentinischen und einem ausführlichen an der chilenischen Grenze. Was hatte ich ein Glück mit meinen Begleitungen. Grenzübergang in Chile funktioniert dann etwa so: eigentlich verboten einzuführen sind z.B. tierische Erzeugnisse, Obst und Gemüse, unbehandeltes Holz, … Da dies allerdings offenbar je nach Lust und Laune der jeweiligen Grenzstationen etwas variiert fragt man vorher, was alles erlaubt ist und isst dann alles, was nicht gestattet ist auf. Mein Stück Käse durfte ich also ohne Probleme einführen, meinen Vorrat an Trockenfrüchten musste ich vernichten. Selbstverständlich muss man so etwas wie ein Fahrrad deklarieren, wenn man es einführen will. Also zum ersten Schalter für die Stempel, zum zweiten, das Formular für das Fahrrad abholen, zum dritten, alle Formulare abgeben und abstempeln lassen. Was wäre ich ohne die Unterstützng hilflos dagestanden, so lief es immerhin zügiger ab. Das war dann also geschafft und kurz darauf wurden wir dann im Zentrum von Puerto Natales abgesetzt, wo ich auch die zwei Brasilianer, welche ich am Berg überholt hatte, wiedererkannte, als sie sich ernut für die Weiterfahrt vermummten – daher kannten die meinen Namen!

In Chile durfte ich mir erstmal mein mühsam angeeignetes Castellano wieder abgewöhnen. Wurde ich in Argentinien noch verbessert, als ich z.B. ayer sagte (¿ascher?) lief es hier genau andersherum. Jedoch beide Male auf die gleiche Art, so als ob ich mich versprochen oder sehr undeutlich gesprochen hätte. Immehin wurde mein Castellano-Chilenisch-Spanisch tatsächlich gelobt. Zugegeben, meine Geschichte kann ich mittlerweile im Schlaf erzählen, wo ich herkomme, wo ich hinfahre, warum ich das alles mache,  und so weiter. Das sind dann halt doch immer die gleichen Fragen.

Die nächste Herausforderung war die Planung, wie ich mit dem Fahrrad den Torres del Paine Nationalpark besichtigen könnte. Etwa 300 Kilometer Rundweg, lediglich zwei Campingplätze, welche nicht ewig im Vorraus reserviert werden müssen, keine Möglichkeit,  Nahrungsmittel zu kaufen. Ich plante also, kaufte Lebensmittel für eine Woche und meine Vorstellung sollte aufgehen. Erster Tag Cueva del Milodón (Mylodon darwini), im Dauerregen, nicht sehr stark aber dafür ständig. Bis zur Höhle feinster Asphat, darauffolgend fieser Schotter. Kalt, nass, nicht schön. Umsomehr die Umgebung und Aussichten am nächsten Tag im Sonnenschein. Teures (Luxus-)camping am Lago Peohé, Weiterfahrt zum Hotel-Camping-Komplex am Fuß der Torres. Völlig überteuerter Campingplatz, der mich aber nach etwas Jammern immerhin nicht abgewiesen hat und mir trotz fehlender Reservierung einen Platz gegeben hat. Obertouriprogramm war dann die obligatorische Wanderung zum Mirador Torres del Paine wo ich aber kein Selfie vor den halb im Nebel getauchten Türmen gemacht habe, wie das sonst üblich scheint. Auf dem Rückweg nach Puerto Natales traf ich zwei sympathische Franzosen und so konnten wir das letzte Stück zusammen ausrollen lassen. Rückenwind ist halt schon was feines, aber leider ist der immer zu schwach.

Zurück in Puerto Natales traf ich dann Anna und Begleitung, die mich mit Ersatzteilen versorgten und mir in Aussicht stellen, mich am nächsten Morgen zurück zum Nationalpark mitzunehmen, sofern das Fahrrad in das Auto passt, was zwar groß aber kein Pickup oder LKW war, womit ich bislang immer gut gefahren bin. Vom Park aus will ich dann über die »grüne Grenze« zurück nach El Calafate. Das scheint mir die interessantere Variante als die 300 Kilometer Umweg über die Straße, die ich bereits kenne. Eigentlich wollte ich ja eine Fähre nach Tortel nehmen. Das wäre am komfortabelsten gewesen, ohne Grenzen und Abenteuer um O’Higgins aber … ausgebucht bis Mitte Februar.

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Reiseliteratur

Chatwin, Bruce: En La Patagonia. Traducción de Eduardo Goligorsky. Ediciones Península, Segunda impresión, Barcelona 2015

Mit anderen Augen hätte ich einige Orte in Patagonien betrachtet, hätte ich dieses Buch früher gelesen und verstanden. Von Comodoro Rivadavia über Sarmiento bis zur Höhle des Milodón in Puerto Natales war ich auf den Spuren des englischen Schriftstellers unterwegs, ohne es zu wissen. Vermutlich hätte ich mich trotz Wind zum Bosque Petrificado vorgekämpft und wäre in der Höhle des Milodón ebenfalls auf Spurensuche gegangen – der deutsche Goldsucher Albert Konrad habe dort Sprengungen durchgeführt während andere Forscher mit Ausgrabungen des Milodón Darwini beschäftigt waren. Jedenfalls war es auch so interessant, diesen sehr bekannten Reisebericht von vor 40 Jahren zu lesen und die Schnittstellen mit heute zu vergleichen.

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