Alte Steine

Statt des überlaufenen Machu Picchu schaue ich bei Machupitumaraca, Pisac und Choquequirao vorbei und werde nicht enttäuscht von den alten Steinen, die von den Inka dort hingesetzt wurden.

Nicht nur die Kosten der Anreise nach Machu Pichu schrecken mich ab sondern insbesondere, dass die Ruinenstadt täglich von etwa dreitausend Menschen besucht wird. Wie gut, dass es um Cusco nicht an Ruinen fehlt und mir Alternativen bereit stehen, die entdeckt werden wollen. In Pitumarca, wo ich in dem Restaurant ausgeholfen habe, bin ich in Spaziergangsdistanz zu dem kleinen Dorf Machupitumarca, meine ersten Inkaruinen überhaupt. Bei dem Familienausflug fahren wir zum Fußballspielen mit dem Bus zu einem größeren Komplex. Beeindruckend sind die knapp zweihundert Kornspeicher mit Belüftung, Wassermanagement und antiseismischer Konstruktion. Bei einer etwa dreißig Meter langen und zehn Meter hohen Wand mit mysteriösen Türmen an beiden Seiten wissen auch meine Gastgeber nicht genau, um was es sich handeln könnte. Auf dem Mirador bekommen wir Klarheit: ein unvollendeter Tempel. Die Priorität wurde klar auf die Speicher gesetzt und der religiöse Schnickschnack wurde nicht mehr fertig, bevor die Spanier kamen und im neuen Dorf ihre Kapelle und den neuen Glauben hingesetzt haben.

Mit dem Fahrrad rolle ich zunächst bis Pisac, eine Stadt für Touris, ich bestaune die vielen Cafés und bekomme schnell ein Ruinen-Komplettpaket angeboten, was ich dankend ablehne. Irgendwo hatte ich gehört, dass etwas weiter oben in der Nähe des Eingangs eine kleine alternative Permakulturfarm steht, wo man campen kann und mit den aktuellen Informationen versorgt werden kann, wie man um den teuren Eintritt herum kommt. Ich werde mit kaltem Bier empfangen, als ich oben ankomme und mit den erhofften Tricks. Wieder einmal früh aufstehen aber dafür habe ich dann als Bonus die gesamte Anlage für mich alleine, bevor die Touribusse ankommen. Spätestens jetzt steht für mich fest: Steine konnten die Inka. Für den Sonnentempel haben sie sich richtig ins Zeug gelegt und akkurat behauene Blöcke ohne Zement bzw. Fugen aufeinandergesetzt. Den Rest des Tages entspanne ich noch auf der Farm und helfe beim Bewässern der jungen Kräuter, aus denen mal ätherische Öle extrahiert werden sollen, bevor ich nach Cusco weiterfahre. Dort lasse ich mein Fahrrad im Radlerhostel La Estrellita, um mit ausgeliehenem Rucksack die Ruinen Choquequirao zu erklimmen.

Choquequirao ist ein gutes Stück Arbeit, etwa 1.500 Meter bergab, dann das Ganze auf der anderen Seite des Flusses wieder bergauf. Eine Seilbahn zu den Ruinen ist in Planung aber glücklicherweise noch nicht einmal angefangen. So bleibt nur der Weg per pedes entweder mit Eseln oder dem Gepäck auf dem Rücken. Logisch, dass ich letzteres wähle. Zum einen weil ich jung bin und zum anderen als Training für den kommenden Urlaub mit meiner Schwester, wo wir in der Cordillera Blanca wandern gehen wollen. Für meinen ersten Track mit schwerem Rucksack schlage ich mich ganz ordentlich. Unten an der Brücke mache ich anscheinend noch einen halbwegs fitten Eindruck, sodass ich trotz Überschreitens der Sperrstunde noch passieren darf. Oder wegen meiner energischen Überredungskünste. Jedenfalls habe ich den folgenden Tag ordentlich Muskelkater in den Beinen, der mich die weiteren Tage herausfordern wird. Es sind Wenige mit ihrem eigenen Gepäck unterwegs, aber es sind auch Wenige insgesamt, etwa zwanzig. Man kennt sich schon, wenn man sich auf dem Camping und dann und wann in den Ruinen begegnet.

Vorgesehen ist, dass man den gleichen langweiligen Weg wieder zurück läuft, den man hergekommen ist. Wenn man energisch genug fragt und schon eine Vorahnung hat, wie es an der anderen Seite herunter geht, wird einem der andere Ausweg beschrieben. Auf diesem kam mir ein französischer Radler auch ohne Fahrrad entgegen, der nicht einmal Eintritt zahlen musste. Zugegebenermaßen war es nicht trivial, eine Transportmöglichkeit zurück nach Cusco von der anderen Bergseite zu finden. Ein Stück wurde ich gegen Benzingeld auf einem Motorrad mitgenommen, dann fand ich Minibusse zurück. Meine Unabhängigkeit, die ich auf dem Rad habe und welches ich mit viel Gepäck beladen kann, ohne, dass es auf den Rücken drückt, vermisste ich sehr. Diese kurze Drei-Tage-Wanderung war aber erst der Auftakt. Aus Zeitmangel fahre ich 24 Stunden mit dem Bus nach Lima, um dort Nora in Empfang zu nehmen.

Inkaruinen Pisac

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Inkaruinen Choquequirao

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